Vom 17.08 - 14.10.07 findet im Barockbau des Stadtmuseums Dresden unter dem Titel "Too Much Future" - Punk in der DDR) der Versuch statt, das Thema Punk im Rahmen einer Ausstellung im Museum darzubieten.
Ich werde mir diese Ausstellung kommenden Samstag mit einer Freundin ansehen und euch dann meine Eindrücke schildern :-).
"Punk im Museum! Ist das machbar? Der Versuch wird vom 17.08. bis zum 14.10.07 im Barockbau des Stadtmuseum Dresden unternommen und zwar zum Thema Punkrock in der DDR.
Der Tumult den die Punks in der DDR veranstalteten, währte zehn Jahre, von 1979 bis 89. Dabei stießen sie an die Grenzen eines Systems, daß seine Jugend steuern wollte, von dem die Punks sich jedoch nicht lenken ließen. Wenn sich das soziale Elend englischer Teenager in dem Aufschrei no future entlud, so wäre das sozialistische Elend einer verplanten DDR-Jugend treffender mit too much future umschrieben. Zwangsrekrutiert als Kampfreserve der Partei , nahmen sich 16-18-jährige Freiheiten, die bis dahin in der DDR praktisch undenkbar waren. So waren sie in Grenzen frei.
Unbekümmert forderten sie einen Staat heraus, der in seiner Wut auf die äußerst vergnügte Wut der Jungen einige von ihnen mit extremen Biografien zurückließ. Die Punks schrieben ein bizarres Kapitel der DDR-Geschichte - grell durch die individualistische Überspanntheit ihres Treibens im DDRKollektiv, finster durch dessen Verfolgung durch die Staatssicherheit. Sie haben sicher nicht den Zusammenbruch des Disziplinarregimes DDR herbeigeführt. Doch sie trugen bei zu einer nervösen Balance des Systems, die 1989 nicht mehr zu halten war.
Das geladene Verhältnis zwischen Punks und Partei beruhte auf der Spannung zwischen Subkultur und Diktatur. Die freigesetzte Energie griff, doppelt frei vom Markt und von der Staatsdoktrin des Sozialistischen Realismus , aus den Kellern und wenigen Szenetreffs auf die Ateliers junger Künstler über. So gewann Punk Einfluss auf die Arbeitsweise und Lebenshaltung werdender Künstler und suchte, aufgegangen in gegenkulturellen Anwandlungen, letztlich auch die Stätten der sozialistischen Hochkultur, also Studenten an Hochschulen und Universitäten, heim.
Künstler oder nicht, die Zeit als Punk in der DDR glich für viele der Protagonisten eher einem Transitraum. Ihre Biografien erfuhren, nach ihrer Ausreise oder mit dem Ende der DDR, keinen Abbruch, sondern eine Fortführung in sehr verschiedene Richtungen und Lebensweisen.
Die Ausstellung soll nicht Anlaß sein, zur Musealisierung einer Bewegung beizutragen. Im Stadtmuseum Dresden prallen Barock und Punkrock aufeinander, also Hochkultur und Subkultur. Diese Tatsache soll nicht verschleiert werden, sondern wird eine spielerische Brechung erfahren.
Zudem war Dresden das internationale Schaufenster des sozialistischen Realismus . So waren in der letzten DDR-Kunstausstellung 1987 Porträts von Punks und Punkbands zu sehen, die von Malern und Fotografen des staatlichen Verbandes bildender Künstler stammten. Gleichzeitig aber hatten Punks Innenstadtverbot, saßen im Gefängnis ein oder verließen freiwillig oder gezwungenermaßen die DDR.
Dennoch ist nicht daran gedacht, eine ideologische Abrechnung mit der DDR zu inszenieren. Die Ausstellung soll das mitreißende Porträt einer Subkultur liefern, einer der heftigsten Eruptionen im unerschütterlichen Glauben an eine Utopie, die zur Ideologie geriet.
Einer der Schwerpunkte der Ausstellung wird Dresden und überhaupt Punk in Sachsen sein.
Die Geschichte von Punk im Osten Deutschlands mag mit dem Kollaps der DDR ihr Ende gefunden haben. Doch die Biografien einzelner Punks und Ex-Punks waren nicht an das Ende der DDR gebunden. Sie bis in die Gegenwart zu porträtieren wird Teil der Ausstellung sein.
too much future / Punk in der DDR versammelt Fotos, Filme, künstlerische Arbeiten und Dokumente, die in dieser Fülle bisher nicht zu sehen waren. Die ehemals illegalen Aufnahmen von DDR-Punkbands dürften in dieser Bandbreite bisher einmalig sein."
Quelle:
http://dieneustadt.de/2007/08/16/too-much-future-punk-in-der-ddr/ Soweit,
Wren!